
Medizin und Verbraucherschutz fordern grünes Licht für die Nährwert-Ampel (Foto: (c) Gisela Peter, www.pixelio.de)
Die Ampel-Farben Rot, Orange (bzw. Gelb) und Grün kennt jeder. Selbst Menschen ohne Führerschein wissen, dass das rote Licht „Stopp“ bedeutet, während das grüne Signal die Weiterfahrt erlaubt. Orange/Gelb markiert den Übergang zwischen beiden, an dem der Fahrer situationsabhängig selbst entscheiden muss, ob er bremst oder weiter fährt. Die Rot-Grün-Farbgebung ist in der Wahrnehmung des Menschen so fest verankert, dass Rot auch außerhalb des Straßenverkehrs als eindeutiges Warnsignal im Sinne von „Vorsicht, nicht weiter“ wahrgenommen wird, während die Farbe Grün allgemein Unbedenklichkeit signalisiert. Was eignet sich also besser zu einer für den Verbraucher allgemein verständlichen Auszeichnung „guter“ und „schlechter“ Lebensmittel im Sinne des jeweiligen Nährwerts?
Besorgt über eventuelle Umsatzeinbußen hat die Lebensmittelindustrie es trotzdem geschafft, dass die sogenannte „Nährwertampel“, anhand derer der Verbraucher mit einem Blick die positiven beziehungsweise negativen Nährwerteigenschaften eines Lebensmittels erkennen kann, von den zuständigen EU-Gremien abgelehnt wurde. Die Industrielobby erklärt ihre ablehnende Haltung damit, dass das Ampelsystem einzelne Lebensmittel „diskriminiere“ und favorisiert stattdessen das sogenannte GDA-System (Guideline Daily Amount), dass den Nährwert - ohne farbliche Kennzeichnung - entsprechend der jeweiligen Portionsgröße angibt. Da die individuellen Portionsgrößen in der Regel unterschiedlich sind, ist es besonders für Kinder und Menschen aus bildungsfernen Schichten sehr schwierig, einen direkten Vergleich zwischen verschiedenen Lebensmitteln zu ziehen und sich – so die Idee – für das gesundheitlich bessere Produkt zu entscheiden.
Dabei ist Übergewicht mittlerweile zu einer Volkskrankheit angewachsen. Rund 50 Prozent aller Frauen und sogar zwei Drittel der Männer in Deutschland sind zu dick oder haben sogar krankhaftes Übergewicht (Adipositas). Auch unter Kindern und Jugendlichen ist zunehmend ein deutlicher Anstieg von Übergewichtigen zu beobachten. Vor allem letzterer Punkt veranlasste Befürworter einer vereinfachten Nährwert-Kennzeichnung, wie den Verband der Kinder- und Jugenärzte, für eine „kinderleichte“ Kennzeichnung einzutreten.
Studien haben gezeigt, dass das Drei-Farben-System für den Verbrauchern leichter verständlich ist, als das System der Industrie. Darüber hinaus haben einzelne Supermarkt-Ketten in Großbritannien bereits gute Erfahrungen mit der Ampel gesammelt. Dass sich die Lebensmittelindustrie auf EU-Ebene dennoch durchgesetzt hat, hat zu heftigen Protesten der Befürworter der Ampel geführt. Im Sinne einer gesünderen Volksernährung fordern unter anderem die Verbraucherorganisation Foodwatch, der Bundesverband der Verbraucherzentralen, die Deutsche Herzstiftung, die Bundesärztekammer, der Verband für Kinder- und Jugendärzte sowie Krankenkassenverbände nach wie vor vehement die Einführung des Ampelsystems.
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