Die Suchmaschine ersetzt nicht den Arzt (Foto: (c) Peter Kirchhoff, www.pixelio.de)
Wer im Internet nach Informationen sucht, sucht in der Regel zunächst bei Google. Neben unzähligen anderen Diensten bietet der Internet-Dienst auch den Service „Google Flu Trends“ an, der Auskunft über den jeweils aktuellen Stand der jährlichen Grippe-Welle geben soll. Dazu wertet Google einfach die entsprechenden Suchanfragen zum Thema Grippe aus, die mit dem Herannahen der Grippewelle erkennbar zunehmen. Dass der Internet-Dienstleister auf diese Weise schnellere Ergebnisse liefert als die amerikanische Gesundheitsbehörde („US-Center for Disease Control“, CDC), deren Bewertungen sich auf Labor- und Umfrageergebnisse unter behandelnden Ärzten stützen, liegt auf der Hand.
Dass die Trendprognosen von Google allerdings auch eine deutlich höhere Ungenauigkeit beinhalten als die staatlichen Vorhersagen, hat nun eine vergleichende Studie der University of Washington bestätigt, die das Auftreten von Grippewellen in den Jahren von 2003 bis 2008 untersucht hat. Der Studie zufolge sind die Google-Ergebnisse um rund ein Viertel ungenauer als die Aussagen der amtlichen US-amerikanischen Stelle für die Grippe-Überwachung „Flu Surveillance“, die der CDC angehört.
Ein Grund für die Ungenauigkeiten der Google-Methode ist, dass es sich in vielen Krankheitsfällen nicht um eine Grippe, sondern eine andere akute respiratorische Erkrankung handelt. Laut Studie handelt es sich während der jährlichen Grippewelle in lediglich 20 bis 70 Prozent um eine von Influenza-Viren hervorgerufene Erkrankung.
Besonders große Abweichungen zeigt Google Flu Trends in Jahren mit außergewöhnlichen Grippesaisons, sagt Justin Ortiz von der Universität Washington, der die Studie leitete. Als Beispiel nennt er den Herbst/Winter 2003/2004, als die Grippe besonders früh und heftig grassierte und zahlreiche Todesopfer bei Kindern forderte. Die damit einhergehende erhöhte Berichterstattung in den Medien hat sich auch auf die Suchanfragen im Internet ausgewirkt und so die Google-Ergebnisse stark verfälscht. Gleiches hat Ortiz für das Jahr 2009 ausgemacht, als die Pandemie des H1N1-Virus, der sogenannten „Schweinegrippe“, zu außergewöhnlichen Reaktionen führte.
Aufgrund der billigen und schnellen Verfügbarkeit der Daten sieht der Mediziner in dem Google-Angebot dennoch eine gute Möglichkeit, einen ersten Überblick über die Grippeverbreitung zu bekommen. Für eine genaue Analyse sind die Daten allerdings zu ungenau. Um verlässliche Daten zu erhalten, sind die staatlichen Stellen, die sich auf ärztliche Untersuchungen stützen, der „Goldstandard“.
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