Beschwerden nach dem Verzehr von Milchprodukten sollten vom Arzt untersucht werden (Foto: (c) Stephanie Hofschlaeger, www.pixelio.de)
Anders als allgemein hin angenommen handelt es sich bei der Laktoseintoleranz nicht um eine Allergie oder eine Krankheit. Im Gegenteil: die Unverträglichkeit von Milchzucker stellt - weltweit betrachtet - den Normalfall dar. Schätzungen gehen davon aus, dass bis zu 90 Prozent der erwachsenen Weltbevölkerung nicht in der Lage ist, Milchzucker zu verstoffwechseln. Insbesondere in den südost-asiatischen Ländern fehlt bei fast allen Menschen das Enzym Laktase, das zum Abbau des Milchzuckers benötigt wird. Milch und Milchprodukte sucht man auf asiatischen Speiseplänen daher vergeblich.
In Europa schätzen Experten, dass rund 15-20 Prozent der Bevölkerung betroffen sind. Bei der Laktoseintoleranz handelt es sich um eine Lebensmittelunverträglichkeit, die auf das Fehlen des körpereigenen Enzyms Laktase zurück zu führen ist. Dieses Enzym ist dafür zuständig den Milchzucker im menschlichen Darm in seine Bestandteile Glukose und Galaktose aufzuspalten und auf diese Weise für den Organismus verwertbar zu machen.
Fehlt das Laktase-Enzym oder wird dieses vom Körper in zu geringen Mengen produziert, kann der Milchzucker nicht ins Blut aufgenommen werden. Stattdessen lagert sich die Laktose in ungespaltener Form im Dickdarm ab, wo sie von Darmbakterien vergoren wird und Wasser bindet. In der Folge entstehen Gase, die bei den Betroffenen zu Blähungen und Bauchkrämpfen führen können, sowie Durchfall.
Die Laktoseintoleranz bzw. der Laktase-Mangel als deren Ursache, wird in drei Erscheinungsformen unterschieden. Die seltenste Form ist dabei der ererbte Laktase-Mangel. Da diese Form nur vererbt wird, wenn beide Elternteile ebenfalls unter angeborenem Laktase-Mangel leiden, tritt sie sehr selten auf. Problematisch ist hierbei, dass – anders als bei den anderen Formen - bereits im Säuglingsalter jegliche Laktase im Körper des Betroffenen fehlt, was zu schwerem Durchfall, Austrocknung, Unterernährung und letztlich Entwicklungsstörungen führen kann.
Die häufigste Form ist der primäre Laktase-Mangel. Hierbei sinkt im Laufe des Alters die Laktase-Aktivität, wodurch die Aufspaltung des Milchzuckers zunehmend erschwert wird und die Schwere der Symptome zunimmt. Im Säuglings- und Kindesalter zeigen sich bei den Betroffenen in der Regel noch keine Anzeichen einer Laktoseintoleranz.
Die dritte Ausprägung ist der erworbene oder sekundäre Laktase-Mangel, der sich als Folge einer anderweitigen Erkrankung des Magen-Darm-Trakts einstellt. Besonders Erkrankungen des Dünndarms (dort wird beim Gesunden die Laktase gebildet), wie Morbus Crohn, Zöliakie sowie bakterielle oder Pilz-Infektionen sind hier zu nennen. Auch nach Magen-Darm-Operationen kann eine Intoleranz entstehen, die bei erfolgreicher Behandlung der Grunderkrankung sich auch wieder zurück bilden kann.
Typische Symptome einer Laktoseintoleranz sind Bauchschmerzen, Übelkeit, Durchfall und Blähungen, die sich in unmittelbar nach dem Genuss von Milch oder Milchprodukten einstellen. In diesem Fall kann der Arzt anhand verschiedener Tests feststellen, ob eine Milchzuckerunverträglichkeit besteht. Beispiele sind der Laktosetoleranztest, bei dem der Betroffene unter ärztlicher Aufsicht eine vorgegebene Menge an Milchzucker zu sich nimmt. Steigt danach der Glukose-Spiegel im Blut nicht an, ist dies ein Indiz, dass der Milchzucker nicht aufgespalten werden und folglich nicht ins Blut gelangen kann. Ähnliches gilt für den H2-Atemtest, bei dem der Patient ebenfalls Laktose zu sich nimmt. Bei einer Unverträglichkeit wird ein Teil der im Darm entstehenden Gase ausgeatmet. Findet sich bei der anschließenden Untersuchung der Atemluft Wasserstoff darin, deutet auch dies auf eine Laktoseintoleranz hin.
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